Licht und Luft

Argument:

Ich habe Angst, dass sich mein Pferd erkältet. Das kann ja auch bei Regen ins Freie und wird folglich nass“.

Interpretation und Lösung:

Wir Pferdehalter sind Menschen: also denken, empfinden und handeln wir menschlich. Bei Regen, Sturm und Kälte halten wir uns vorzugshalber in beheizten, geschlossenen Räumen auf.

Das spiegelt unser Verhalten gegenüber Pferden wieder: Bei widrigem Wetter kommt das Pferd in den Stall, Fenster und Türen werden fest verrammelt. Nun haben wir das Gefühl genau das Richtige für unser Pferd getan zu haben, somit Schutz zu bieten und Atemwegserkrankungen vorzubeugen.

Nur schwer vorstellbar, dass dieses Verhalten genau das Gegenteil beim Tier bewirkt.

Folgen wir Monika Krämer, aus ihrem Buch: SIEGE WERDEN IM STALL ERRUNGEN:

Dicke Luft macht Pferde krank: „Leider nehmen nur wenige Pferdehalter die Möglichkeit in Anspruch, das Stallklima objektiv erfassen zu lassen“ bedauert Dr. Wilfried Bellinghausen und fügt hinzu: „Vielleicht haben sie Angst vor objektiven Zahlen.“

Ein Verdacht, den Dr. Düe teilt: „ Zwischen 60-70 % aller Pferde in Ställen leiden unter Atemwegsproblemen bis zu chronischen Husten.“

„Prima Klima hier draußen“

Mit unserem menschlichen Kälte-/Wärme-/Nässeempfinden liegen wir also bei der Kreatur gründlich daneben! Die Gefahr, dass wir den Pferden durch das „wegschließen“ bei schlechtem Wetter gesundheitlichen Schaden zufügen ist demnach sehr groß.

Weiterer Vermerk aus SIEGE WERDEN IM STALL ERRUNGEN:

Alltag in der Steppe: Tagsüber brennt die Sonne, nachts kühlt der Boden zu einer Gefriertruhe ab, Wind zerzaust Mähnen und Schweife, Regen durchnässt das Fell.

Temperatursprünge von bis zu 60 Grad im Laufe eines Tages sind möglich“.

Die Kreatur Pferd kommt mit unserem Klima in Nordeuropa prima klar. Ein Beispiel von vielen sind die Dülmener Wildpferde – die ja keine echten Wildpferde sind, sondern verwilderte Hauspferde.

Die Voraussetzung ist, dass Pferde die Chance bekommen, die Klimatoleranzen regelmäßig zu spüren, ja zu trainieren – als ehemalige Steppenbewohner haben sie diese Voraussetzungen ja in ihren Genen!

Sowohl im Aktivstall, als auch im Paddockboxenstall haben unsere Pferde die Wahl, ob sie sich bei widrigen Witterungsverhältnissen draußen oder unter Dach aufhalten. Im Aktivstall wählen sie meistens die ‚draußen‘ Variante.

Auch die Pferde in Paddockboxen stehen bei Regen immer mal wieder an der frischen Luft – draußen eben. Und das obwohl im Stall das Heu lockt! Instinktiv entscheiden sich die Tiere für Luft und Licht.

Mehr Sauerstoff um genügend Treibstoff für die Muskeln zu haben ist also fast schon lebenswichtig.


AUS SIEGE WERDEN IM STALL ERRUNGEN lesen wir weiter:

… will die Muskeln des Pferdes proportional zur menschlichen Muskulatur bei gleicher Leistung mehr Sauerstoff verpulvern. Um Sauerstoffmoleküle in Zellen transportieren zu können, muss jedoch der Hämoglobingehalt des Blutes hoch genug sein. Bei Wohnzimmertemperaturen, Kunstlicht und Schadstoffbelastung werden weniger rote Blutkörperchen gebildet; dagegen kurbeln wechselnde Temperaturreize ihre Produktion gewaltig an“.

Mehr Licht, für lebenswichtige Funktionen des Körpers!

Pferde brauchen genügend Licht u.a. für den Muskelstoffwechsel, den Hormonhaushalt, für stabile Knochen und psychische Ausgeglichenheit. Der Wohlfühl- und Gesundheitsfaktor Licht ist nicht hoch genug zu bewerten und ähnlich Trainingsrelevant wie ausreichend Sauerstoff.

Geht es uns Menschen nicht genau so? Wir meinen JA, denn zahllose Publikationen und wissenschaftliche Untersuchungen geben eindeutige Hinweise.

Danke für’s raus stellen. Küsschen für den Nachbarn.

One Comment on “Licht und Luft

  1. Der neue Blog – Eintrag gefällt nun wirklich sehr! Inhalt ist gut, verständlich und kompetent dargestellt. Leicht nachzuvollziehen. Dann noch die herausragende Auswahl der Bilder zu den jeweiligen Textpassagen. Ein dickes Lob für die Autoren*Innen! Kann allen Interessenten nur empfehlen ihrem (-en) Pferd (-en) GUTES zu tun und Kontakt mit den Hof Betreibern baldmöglichst aufzunehmen, um sich persönlich vor Ort umzusehen. Glück Auf!

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